Ein Brief vom Nikolaus

von Gudrun Wenig

Inzwischen trag ich roten Plüsch
Und wechselweise grau und weiße Bärte
Und wenn ich meine Stimme hebe
Liegt sie im Streit mit Ladenkassen
oder mit digitalen Kinderchören.

Ja, das habt ihr aus mir gemacht!
Ich, der ich damals, wie der eine oder andere noch weiß,
dereinst als Bischof durch die Lande ritt
um armer Leute Kinder zu beschenken.

Ihr Menschen handelt eben so, mit dem der gibt!
Es fällt euch leicht, ihn gänzlich zu benutzen.
Und hätten mich die Kinder nicht,
das tun sie oft, wenn sie der Wirklichkeit entfliehn,
mit einem Mantel ihrer Märchenhaftigkeit umhüllt,
Ich hätte vielleicht gar nicht überlebt,

Jedoch, verachtet mir die Märchen und Legenden nicht,
denn da wird noch gerecht geteilt,
in gleicher Weise zwischen Zorn und Güte,
und Angst und Freude und zwischen Liebe oder Trauer.
Es ist nicht meine Schuld, dass es auf Erden anders ist.

Ihr einflussreichen Leute dieser Stadt,
so lasst mich ziehn,
durch eure Straßen, eure Weihnachtsmärkte
und wenn ihr mir begegnet so erkennt in mir
nicht nur Symbol von sattem Gleichmut und von Überfluss.

Es ist nicht wichtig, ob ich echt bin oder falsch,
verwendet ihr nur einen Augenblick darin, zu hoffen,
dass jene Kinder, denen ich noch niemals etwas schenkte,
nicht in den Häusern eurer Straßen wohnen.

Postkasten Kätzchen

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